Berliner Mauer Gedenken

Berlin - Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Berliner Mauer

Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Berliner Mauer. Radeln mit Guide auf den Spuren der bewegenden, dramatischen Vergangenheit. Bericht & Tippsmerken
Wir kennen Berlin noch aus der Zeit vor dem Mauerfall, haben zwei Jahre dort gelebt.
Vergleiche mit heute sind schwer zu ziehen. Die Veränderungen sind gewaltig. Das Stadtbild, insbesondere in Berlin Mitte und den angrenzenden Bezirken, ist kaum wieder zu erkennen. Wer noch den alten Lehrter Bahnhof, mit den breiten, ungepflegten Treppen und den ungemütlichen Bahnsteigen gekannt hat, ist erstaunt, dass an gleicher Stelle jetzt der Hauptbahnhof Berlin steht. Fuhr man damals kurz zur Friedrichstraße um sich mit Zigaretten einzudecken, muss man heute über mehrere Etagen zu seinem Zug gelangen. Schöner Hauptbahnhof? Zweckmäßig - würde sicherlich besser passen.
Berlin hat sich gewandelt, hat aus meiner Sicht an Charme verloren und an Multikulti gewonnen. Die Liebe zur alten Stadt ist abgekühlt, die Faszination zum neuen Berlin geblieben. Sie lebt, die Stadt: Berlin. Auffallend für mich ist der recht hohe Geräuschpegel, der sich 24 Stunden durch die Straßen zieht. Nun, wir sind auch in der bevölkerungsreichsten Stadt Deutschlands.
Heute wollen wir auf den Spuren der Vergangenheit radeln - entlang einem Teilstück der ehemaligen Berliner Mauer. Autor: B. Specht, 2020

Persönlicher Reisebericht | Berlin | Mit dem Fahrrad auf den Spuren der Berliner Mauer

Berlin, die immerwährende Hauptstadt mit bewegender, dramatischer Vergangenheit

Wir fahren mit der U-Bahn (U2) bis zur Haltestelle  Eberswalde und laufen die 500m zu Fuß zur Kulturbrauerei. Schon das ist Geschichte pur.
Ein wunderbar restauriertes Ensemble von Backsteingebäuden, wobei die alten Bezeichnungen für die Lastwagen-Garage, die Fassbierhalle, Garage und Pferdeställe wieder sehr sichtbar angebracht wurden.
Es wurde schon alles von Berlin on bike, wie der Veranstalter heißt, vorbereitet. Die Räder stehen bereit, jede Menge Helme zur Auswahl – für diejenigen, die möchten, eine Verpflichtung besteht nicht. Schade eigentlich. Nun, meist sieht man mit Helm etwas, sagen wir, unschön aus. Aber bei einem Sturz ohne Helm? Vielleicht noch unschöner – und das für eine längere Zeit. Gut, das muss jeder für sich entscheiden.
Wollo, so heißt der Inhaber, hat auch noch jede Menge frisch gewaschene Handschuhe bereitgestellt. Dieser 13. April 2019 hat es in sich. Nur 7°C, aber trocken. Doch den Windchill darf man nicht vergessen, da geht die gefühlte Temperatur bei 10 bis 15 Km/h schnell um weitere 4° bis 5° nach unten.
Die Fahrräder sind in einem guten Zustand, die E-Bikes zicken manches Mal, dann muss nochmals durchgeschaltet werden, doch dann greift der Motor wieder ein. Sanft aber spürbar, so wie es sein soll. Die Räder haben keinen Rücktritt sondern zwei Handbremsen. Wer sich damit  nicht auskennt, einfach nachfragen, ob es auch etwas anderes gibt.
Wir sind eine kleine Gruppe, bei diesen Temperaturen haben sich nur fünf Personen  angemeldet. Alle über 50. Ein Alter, wo der  Bezug  zur Mauer, zum „alten“ Berlin, noch anders ist. Ich wage zu behaupten, dass jeder erwachsene Deutsche heute noch weiß, wo er sich befunden hat, als er die Nachricht von dem Mauerfall bekommen hat.
Die Jungs, die uns empfangen haben, sind gut drauf. Auch Peter, unser Guide. Er stellt sich vor, dass er als Ossi schon lange vor dem Mauerfall in den Westen „gemacht hat“ und seit ein paar Jahren wieder in seinem geliebten Ostberlin wohnt, wo er geboren und aufgewachsen ist.
Seine Geschichte, wie er durch die Spree die DDR verlassen hat, ist spannend, zugleich auch traurig und ergreifend. 
In rund 3,5 Stunden wird die Gesamtstrecke der Tour abgefahren. Rund 15 KM werden zwischen dem Regierungsviertel und dem wohl bekanntesten Ort des Mauerfalls zurückgelegt: Dem damaligen Grenzübergang Bornholmer Straße. Die sichtbaren und unsichtbaren Spuren, die die Berliner Mauer hinterlassen hat, werden durch den Guide näher erläutert. An der Gedenkstätte Bernauer Straße ist noch der einzige intakte Mauerabschnitt vorhanden, inklusive eines Wachturms.

Fahrrad-Veranstalter:
Berlin on Bike
Kulturbrauerei
Schönhauser Straße 36
10435 Berlin
Deutschland

Berliner Restaurants

Klar, dass wir hier nur ein paar Lokalitäten nennen können. Die Vielfalt in Berlin ist fast unüberschaubar. Neue Restaurants kommen ständig hinzu, alte verschwinden – die Geschmäcker der Gäste sind ebenso flexibel wie die Kreativität der Köche. Bodenständig, asiatisch oder cross-over finden ebenso ihre Gäste wie mediterrane, baltische oder skandinavische Küche. Eine Herausforderung der schönen Art, sich im Angebotsdschungel zurecht zu finden.
Kanaan - wenn ein Israeli und ein Palästinenser ein Restaurant gemeinsam führen
Von dem S & U Bahnhof Schönhauser Allee sind es knappe 400m Meter bis zum Restaurant Kanaan.
Raus aus dem Zug, die Treppe runter, vorbei an ein paar weggeworfenen Fritten und Backfisch, runter auf die Schönhauser Allee, ein paar Meter gelaufen und in die Kopenhagener Straße abgebogen. Eine gesichtslose Straße, die uncharmant aber großzügig, teilweise mit Kopfsteinpflaster ausgestattet, beiderseitig an die großen und unversehrten Wohnblocks  anschließt.
Wo ist die 17? Bei 16 ist Schluss, dann eine Querstraße. Ende. In Berlin ist es so, dass sich die Nummerierung der Gebäude nicht mit den geraden Zahlen auf der einen und den ungeraden auf der anderen Seite zufrieden gibt, sondern – wie es sich für eine charakterstarke Stadt gehört – hier eine Eigenwilligkeit an den Tag legt. Immer schön fortlaufend. Rechts mit eins, zwei, drei und so weiter beginnen, am Ende der Straße dann auf die andere Seite wechseln, weiter zählen, bis das letzte Haus, das gegenüber der eins, auch die letzte Nummer erhält. Das habe ich damals, als ich in Berlin gelebt habe, durch learning  by doing schnell gelernt.
Ach ja, bei der Querstraße sind wir angekommen. Im Nichts. Denkste. Da ist noch was. Auf der anderen Seite ein unscheinbares Gebäude aus Sichtbeton, der stellenweise mit Graffiti verschönt wurde. Ein schmaler Eingang, rechts an die Betonwand und links an einen Bretterzaun angrenzend. Etwas schüchtern an dem Bretterzaun ein schmuckloses Schild angebracht, groß mit dem Namen des Restaurants versehen: KANAAN. Die einzig kreative Ergänzung besteht darin, dass das K verkehrt herum geschrieben wurde. Und unter dem Namen stolz und selbstbewusst, ohne jegliche Bescheidenheit: Best Hummus in town.
Was zu beweisen ist.
Also hinein die das vegan-vegetarische Restaurant. Die Eisentür fällt hinter uns hörbar ins Schloß, die Gäste am Nebentisch schauen uns erschrocken an. Sorry, es ist uns peinlich, aber erst einmal orientieren. Alles recht eng. An den Wänden Tischlerplatten, ebenso sind die Tische aus einfachen Holzplatten erstellt und die Stühle und Bänke sind zweckmäßig. Insgesamt macht alles einen einfachen aber sauberen Eindruck, wenn ich die Wespen der letzten Saison, die noch zwischen den Doppelfenstern liegen, außer Acht lasse. Der Empfang ist sehr freundlich, wir werden an den reservierten Tisch gebracht, erhalten die Karte. Das babylonische Stimmengewirr um uns herum lässt vermuten, dass das Kanaan nicht nur im angesagten Stadtteil Prenzlauer Berg  ein Geheimtipp ist sondern wohl auch außerhalb der Grenzen unseres Landes.
Die Eigentümer des Kanaan beweisen mehr als alle Politiker im Nahen Osten, dass Israeli und Palästinenser zusammen leben können.
Unser Essen kommt. Geschmackvoll auf einer großen Schiefertafel angerichtet (Passt die überhaupt in einen Geschirrspüler?) bekommen wir Falafel und eine palästinensische Spezialität, dazu pommes frites, ein Mix aus den altbewährten Kartoffeln und Süßkartoffeln. Und Hummus – best in town? 
Wir probieren kritisch, zaghaft. Ich spüre die geschmeidige Konsistenz auf der Zunge, den zarten Geschmack von Sesam und Kichererbsen.  Genieße ihn, lasse den Hummus auf der Zunge zergehen, schlucke vorsichtig, spüre den Nachgeschmack.  Best Hummus in town …. Ich meine, dass hier kaum jemand daran zweifeln wird. Ein Genuss für die Sinne, der mich schon fast gierig werden lässt. Und die Falafel. Ebenfalls eine sehr gelungene vegetarische Komposition
Ein wunderbares, sehr empfehlenswertes Geschmackserlebnis. Das habe ich nicht vermutet, als ich vor einer Stunde vor dem Restaurant Kanaan stand, mit dem wenig einladenden Gebäude. Ich bin um eine Erfahrung reicher. Ein Geschmackserlebnis, welches an anderer Stelle noch ein besseres Geschäft erzielen könnte. Aber dann würde der rustikale Charme der Location wegfallen. Das wäre ein kultureller Verlust. Ich hoffe sehr, dass die beiden Inhaber am Kanaan in dieser Ursprünglichkeit festhalten werden.

Restaurant Kanaan
Oz Ben David
Kopenhagener Straße 17
10437 Berlin
Deutschland
Berlin - Eingang Restaurant Kanaan
Restaurant Borchardt
Das Borchardt, nahe dem Gendarmenmarkt Berlin, gehört zu den bekannten Adressen Berliner Gastronomie. Auf Empfehlung besuchen wir es und sind gespannt auf das Restaurant. Hier, so wurde mir gesagt, wird das beste Wiener Schnitzel der Stadt serviert. Hauchdünn, mit leichten Blasen unter der Panade soll es ein Gaumenkitzler sein. Uns erwartet um 18:30h ein großes Restaurant, mäßig gefüllt, mit einer sehr ansprechenden Einrichtung. Die beiden Damen am Empfang kümmern sich sofort um uns, wir werden zum Tisch geleitet. Leider nicht im Hauptrestaurant sondern eine Etage tiefer im Weinkeller. Nun, kein Weinkeller im herkömmlichen Sinn sondern ein rund 70 Personen fassendes Restaurant, ausgelegt mit diversen Teppichen und einer willkürlichen Bestuhlung. Uns bleibt es erspart in einem der Retrosessel Platz zu nehmen, da der Abstand zum Tisch ungemütlich aussieht. Die Beleuchtung lässt ein flüssiges Studium der Karten nicht zu, dennoch können wir unsere Speisen- und Getränkewünsche zusammenstellen. Das Preisniveau ist hoch angesetzt, insbesondere bei den Getränken. Der Service ist sehr freundlich und verheißt Gutes hinsichtlich der kulinarischen Genüsse. Die Entenbrust als Vorspeise ist fein abgestimmt, zarte Tranchen an Feldsalat. Die Bouillabaisse ist sehr überschaubar und erinnert nur entfernt an gleichnamige Gerichte anderer Restaurants, die vier Fischbeilagen sind handverlesen, so scheint es. Nun kommt das Wiener Schnitzel. Riesig, den Teller ausfüllend, darunter an einer Ecke ein geschmacklich gut abgestimmter Kartoffelsalat und eine frische Kaper als Deko. In mancher Kantine sieht die Anrichtung der Speisen dekorativer aus. Hier habe ich mehr Abstimmung zwischen Geschirr und vereinnahmter Tellerfläche erwartet. Gut für den Gaumen, weniger für die Augen. Es ist unfassbar groß, ein wenig Appetit hindernd, aber sehr gut gebraten.
Insgesamt eine quirlige Atmosphäre, die Lautstärke macht eine Unterhaltung zunehmend schwieriger, was die meisten Gäste nicht zu stören scheint. Ein Erlebnis ist der Besuch des Borchardt in jedem Fall.
Schade, dass der Preis des Schnitzels auf der Karte und der maschinell gedruckten Rechnung um knapp acht Prozent differierte. Darauf angeschrieben reagierte man mit einer Rückzahlung erst beim zweiten Mal. Kein Wort der Entschuldigung, kein Hinweis, dass es einem Leid tut. Die Interpretation dessen bleibt jedem selbst überlassen. Beim  Borchardt hätte ich mehr Feingefühl erwartet.

Restaurant Borchardt
Französische Straße 47
10117 Berlin
Deutschland

Kleine Tipps am Rande für Berlin

Die Berliner Museumsinsel

Ein Besuch der Museumsinsel mit dem noch in Bau befindlichen neuen Berliner Schloss lohnt sich allemal. Von hier aus starten auch die Ausflugsschiffe zu einstündigen Stadtrundfahrten vom Wasser aus. Das DDR Museum  bietet einen Einblick in die Geschichte des geteilten Deutschlands und nach der Passage der Schlossbrücke stehen wir fast vor dem Berliner Dom, in unmittelbarer Nachbarschaft der Humboldt Universität und der Gedenkstätte des unbekannten Soldaten. An einigen Tagen der Woche lädt ein interessanter Markt, abseits von Kitsch und Trödel, mit ansprechenden Kunstobjekten zum Flanieren ein.
 

Öffentlicher Nahverkehr

Es lohnt sich durchaus eine kurze Prüfung der Tarife. Eine Tageskarte kann sich schon nach vier Einzelfahrten mit den Berliner Bussen und Bahnen amortisieren.  Eine Gruppen-Tageskarte ist bereits ab zwei Personen preisgleich mit der Einzel-Tageskarte. Infos am Fahrkartenautomaten oder im Internet:  BVG
 

Lebt denn der Hütchenspieler noch?

In Berlin sind sie noch nicht ausgestorben. Die Glücksspiele auf dem Asphalt. Ein ausgeklügeltes System steckt dahinter um Spieler anzulocken und meist abzuzocken. Der Gewinner steht meist schon fest, wenn der Einsatz gegeben wird. Und wenn Sie meinen, dass Sie besser sind, dann sollten Sie die Einsätze niedrig halten. Schmerzt später nicht so sehr.

Berliner Hotels

Mercure Hotel & Residenz Berlin
Das Berliner Mercure Hotel Checkpoint Charlie (4 Sterne)  in der Schützenstraße liegt fern ab vom Schuss. Sollte man meinen, wenn man sich die Lage anschaut. Doch weit gefehlt, rund 20 Gehminuten vom Berliner Schloss, vom Nicolaiviertel und „Unter den Linden“ sowie ein paar hundert Meter vom Checkpoint Charly und  der Friederichstraße und 30 Gehminuten von den Hackeschen Höfen entfernt, ist das Berlin Mercury Hotel ein sehr guter Ausgangspunkt für Berlin Exkursionen. Die U-Bahn Station Stadtmitte ist in knapp 500 m erreichbar.
Ein für Berliner Verhältnisse kleines Hotel mit  139 Zimmern, eingebettet in eine alte Häuserzeile. Erhalten ist die Fassade aus früheren Zeiten, dahinter ist alles neu gestaltet. Freundliches und gut gelauntes Personal empfängt uns an der Rezeption. Gemütliche Zimmer, eine einladende Lobby und die kleine, etwas verwinkelte Bar geben dem Haus eine charmante Note. Trotz der zentralen Lage sind das Haus und die Umgebung recht ruhig, da ausschließlich Wohnstraßen angrenzen.
Die Betten sind bequem, das Frühstück ist sehr vielseitig und visuell sowie geschmacklich gleichermaßen ansprechend.  Es lohnt sich in jedem Fall, für die nächste Reise nach Berlin das Hotel in die engere Wahl einzubeziehen.

Mercure Hotel & Residenz Berlin
Schützenstraße 11
10117 Berlin
Deutschland