Lappland mit dem Trike

Lappland mit dem Trike erfahren

Ein sehr persönlicher Reisebericht über eine zehntägige Rundreise durch Teile Lapplands. Auf drei Rädern und in schönen Hotels unterwegs. Als Anregung für Ihre nächste Reise in den Norden.merken
Wenn Sie in Lappland schlaflose Nächte haben sollten, liegt das einzig an den Lichtverhältnissen. Zu Mittsommer geht die Sonne nicht mehr unter und auch Anfang Juni und noch Anfang August sind die Nächte weiß. Licht durchflutet. Dann werden Sie noch einen neuen Typus Mensch kennenlernen. Die Skandinavier entfalten jetzt eine Lebensfreude, die im Winter in Ihnen schlummert.. Es gibt sie hier - die Sommer - und die Wintertypen.
Lappland muss man lieben. Entweder wird Ihre erste Fahrt der Beginn einer tiefen Leidenschaft oder die letzte Reise dorthin sein. Eine Alternative gibt es nicht - lassen Sie sich überraschen. 

Reisebericht | Lappland | Mit dem Trike unterwegs

Lappland - mit dem Dreirad in den Norden Europas

Der erste Tag - die längste Tagesetappe mit 480 KM
Das Wetter ist recht durchwachsen, etwas Nieselregen, zwischendurch ein paar Sonnenstrahlen, aber angenehme Sommertemperaturen. Wir verlassen unser Ferienhaus und rollen auf drei Räder, mit unserem Trike, gen Norden. Die nächste Nacht übernachten wir in Mora, rund 480 KM von Hagfors entfernt. Das kleine Städtchen ist der zentrale Hauptort am Siljan See. Wenn Sie einmal ausufernde Mittsommer erleben wollen, dann hier. Rund um den Siljan See feiert man die Sommersonnenwende traditionell und modern. Wir sind im August jedoch schon zu spät dafür.
Der zweite Tag - mit 320 KM etwas kürzer
​Nach der Übernachtung in Mora statten wir dem südlichsten Bärenpark Skandinaviens, Orsa, noch einen Besuch ab. Von Orsa  -  Bärenpark  -  bis nach Östersund ist die Straße hervorragend geeignet die Müdigkeit wegzufegen. Bodenwellen, mal schwach, mal stark, dass sie das Trike durcheinander rütteln, sind im Sommer 2019 an der Tagesordnung.
Sveg, ab hier wird die E 45 angenehm zum Fahren. Breite Straßenführung, lange Strecken wo man ein Auto, welches einem in fünf Minuten passieren wird, am Horizont gut ausmachen kann.
Unser Hotel, das Scandic Syd, liegt am Ortsrand, Parkplätze sind reichlich vorhanden und kostenfrei, zum Abendessen gibt es eine kleine Karte und im Sommer ein Büffet mit viel Gemüse, je ein Fisch- und Fleischgericht. Die Zimmer sind großzügig, ebenerdig gelegen und modernisiert. Wir empfehlen Ihnen ein Zimmer zu wählen, dass nicht zur Hauptstraße ausgerichtet ist. Dann können Sie morgens etwas länger schlafen. Das Frühstück ist sehr umfangreich und der Service aufmerksam.
Wieder ein Tag weiter - heute nur 230 KM
​Die Fahrt nach Vilhelmina führt über lange, wenig befahrene Straßen. Ein Stopp in Strömsund ( ca. 100 KM) am Wasser und der Besuch des Hembygdsgård sind zu empfehlen. Ein guter Stopp fast auf halben Weg, kleine Gerichte und Getränke im Hembygdsgård und gepflegte Toiletten in der Anlage.
Vilhelmina, der nächste Stopp, muss erst für sein Interesses kämpfen. Sehenswert in jedem Fall die alte Kirchstadt, Informationen im Touristbüro. Ansonsten, nun ja, man muss sich erst daran gewöhnen.
Im Zentrum ein nettes Kaffee mit selbst erstellten Pralinen und kurz vor dem Ortsende linkerhand das „Hotell Wilhelmina“. Eine traumhafte Lage, sauber und alle Zimmer mit Seeblick. Nach und nach werden sie renoviert. Bleiben Sie zum Essen hier und bestellen Sie am besten gleich bei der Anreise einen der begehrten Fensterplätze im Restaurant. Eine kleine Speisekarte mit sehr gepflegten Speisen. Einzig der Preis für ein Glas Wein mit 0,16l liegt hier wie in Östersund bei rund 11,-- €. Das ist für die gastronomischen Ausflüge in Deutschland ein recht hoher Preis.
Das Frühstück entspricht dem Standard des Hotels. Ausgewogen und vielfältig, auch Gluten- und Lactosefreie Lebensmittel.
Am vierten Tag liegen 220 KM vor uns
​Die Fahrt von Vilhelmina aus gen Norden führt auf gut ausgebauten Straßen, teilweise etwas wellig, in einer entspannten Fahrweise zum Tagesziel. In Sorsele (ca. 140 KM) legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein, versorgen uns im Supermarkt mit ein paar Lebensmitteln für die Mittagspause, weil das River Hotel an diesem Samstag kein Dagensrätt* anbietet. Nach der Rast am Museumspark, nehmen wir die restlichen KM für den heutigen Tag in Angriff. Unser Ziel ist eine Schlittenhundefarm, kurz vor Arvidsjaur: Wildact. Wir kennen diese Farm seit vielen Jahren und haben seit der ersten Wintersaison mit Ihnen zusammen gearbeitet. Simone und Jürg, die Inhaber sind 2007 aus der Schweiz hierhergezogen, zuerst haben sie mit den mitgebrachten Hunden Ihre Existenz aufgebaut, Hunde hinzugewonnen und Wildact Naturecamp zu einer Adresse mit hohen Ansprüchen an Qualität und Gastfreundschaft ausgebaut.
Wir biegen rund 20 KM vor Arvidsjaur rechts ab, schon nach 500 Meter kreuzt ein Elch unseren Weg, ein etwas unsicheres Jungtier, welches auch gleich im Dickicht verschwindet. Kurz darauf überqueren zwei Rentiere von links nach rechts die Straße, bleiben zwischen den Bäumen stehen und beobachten uns, wie wir versuchen sie zu fotografieren.
Wir rollen auf den Parkplatz, eine Wiese direkt vor dem Gästehaus der Wildact Huskyfarm
Angekommen. Wir haben uns lange auf den Moment gefreut, Simone und Jürg wiederzusehen. Der Serviceraum der Schlittenhundefarm ist im skandinavischen Stil gehalten, helles Holz im schlichten Design strahlen Wärme und Gemütlichkeit aus. Das Willkommen ist auch zu spüren, bevor es ausgesprochen wird. Unsere Unterkunft für die kommenden zwei Tage ist ein gemütliches Holzhaus, geräumig mit Dusche und WC, unweit der Hundezwinger gelegen. Wir richten uns ein und schauen dann die Hunde an. Acht Welpen, die knapp sieben Wochen alt sind, ziehen die größte Aufmerksamkeit auf sich. Die kuscheligen weißen und weiß-schwarzen Hunde sind ein absoluter Blickfang. Das spüren sie auch und lassen sich gern streicheln, genießen es im Mittelpunkt zu stehen. Die älteren Hunde beginnen leicht an zu singen, immer lauter und aufgeregt. Das Geheimnis ist schnell gelüftet. Jürg ist dabei die Hunde zu füttern. Jeder Hund bekommt seine individuelle Portion zugeteilt. Jürg kennt sie alle. Mit Namen und mit ihren dazugehörigen Eigenschaften und Stärken. Er ist das „Alphatier“ und die 66 Vierbeiner haben keinen Zweifel daran.
Wir haben uns zu der kleinen Gruppe am Lagerfeuer gesellt. Auf zwei Holzbrettern wurde jeweils eine Lachsseite mit kleinen Holzsplinten befestigt und so hingestellt, dass die Wärme des Feuers ohne Berührung durch die Flammen, den Lachs gart. Eine Spezialität, die wir schon des Öfteren hier gegessen haben. Der Rauch des Lagerfeuers liegt wie ein Hauch über dem Lachs. Alle schauen gespannt auf das Holzbrett, dass an einigen Stellen von den Flammen berührt wird, und warten sehnsüchtig darauf, dass der Fisch gar wird.
Kaum dass wir im Restaurant Platz genommen haben, kommt das Holzbrett mit dem Lachs hinein. Ein appetitanregender Duft durchströmt den kleinen Raum, Kartoffeln aus der Röhre und Kartoffelsalat sowie frische Salate warten auf uns. Die elfköpfige Gruppe - eine belgische Familie mit drei Töchtern, eine deutsche Familie mit zwei Töchtern und wir – sitzen an einem großen Tisch. Neben dem Essen werden die Erlebnisse des Tages zum Besten gegeben, eine lockere Atmosphäre erfüllt den Raum.
Da Wildact Adventures auch im Sommer interessante Programme anbieten, die sich die Gäste entsprechend zusammen stellen können, können alle Altersschichten berücksichtigt werden. Die belgischen Mädchen sind um die 16 Jahre alt und sind ob der überwuchernden Natur immer noch begeistert von den Erlebnissen auf dem Wasser und mit den Hunden, wenngleich Sie sich auch freuen, nach dem Urlaub hier noch ein paar Tage Stockholmer Flair genießen zu können. Die deutschen Mädchen sind sechs und acht Jahre alt, haben auf der Hinreise bereits Bullerbü und Vimmerby sowie Stockholm besucht und sprühen vor Begeisterung mit den Tieren etwas unternehmen zu können. Ein wunderbares Erlebnis, dessen Freude man anmerken kann.
Der fünfte Tag ist mit 180 KM recht kurz
​Abschied nehmen ist oft sehr schwer, ganz besonders bei Simone und Jürg, die wir beruflich über zwölf Jahre begleitet haben und woraus sich ein freundschaftliches Verhältnis nach und nach entwickelt hat. Arbeitsmäßig haben Sie immer einen sehr guten Job gemacht und menschlich stets ein offenes Wort getauscht, woraus beide Seiten ihre Erfahrungen gezogen haben.
Nunmehr sind wir bereit zur Abfahrt, haben uns noch bei den Welpen verabschiedet und rollen langsam vom Hof gen Westen, wo die Straße auf die E 45 stößt und dann via Arvidsjaur, am Flughafen vorbei nach Älvsbyn führt. 95 KM Wald und wenige Autos.
In Älvsbyn halten wir uns Richtung Zentrum und entdecken auf der rechten Seite der Hauptstraße eine kleine Konditorei mit Café. Ideal für einen Stopp, einen Kaffee und eines dieser hässlich grünen Stücke der Prinzesstorte, die vor einer Mischung aus Vanillecreme und Sahne nur so strotzt und dann noch mit grünem Marzipan abgedeckt ist. Kalorienreich aber verführerisch.
Weiter gen Luleå, wo wir uns zuerst die alte Stadt „Gammelstaden“ ansehen, bevor wir unser Trike in der Tiefgarage des Hotel Clarion Sense einparken. Nach dem Check in schauen wir uns die Stadt ein wenig an. Im Winter waren wir schon des Öfteren hier, im Sommer erst das dritte Mal. Eine vom Wasser umgebene überschaubare, junge und lebendige Stadt – die nördlichste Universitätsstadt Schwedens. Wir haben uns entschieden im Hotel zu essen. Das Restaurant im 9. Stock bietet einen herrlichen Blick über die Stadt und den großen Sund. Die Küche bietet eine kleine aber kreative Karte und das Ergebnis zeigt uns, dass wir die richtige Entscheidung, hier zu essen, getroffen haben.
Legen Sie auch einen besonderen Wert auf das Hotel-Frühstück? Dann werden Sie hier voll auf Ihre Kosten kommen. Auf den vielen beruflichen und privaten Reisen in Skandinavien haben wir die unterschiedlichsten Varianten eines Frühstücks kennengelernt. Von den liebevoll zubereiteten kleinen Frühstückbüffets bis hin zu vielfältigen, teilweise achtlos präsentierten Ansammlungen von nahrhaften Speisen und Getränken. Mittlerweile scheint es so, dass die schwedischen Hotelketten sich den Wettbewerb nicht nur über die Hotelpreise liefern, sondern mehr und mehr am Frühstücksbüffet. An diesem Morgen steht für uns außer Frage, wer der Gewinner zu sein scheint. Legen die Scandic Hotels seit Jahren sehr viel Wert auf ein ausgewogenes, vielfältiges Frühstücksbüffet, scheinen die Clarion Hotels nachzulegen. Im Clarion Sense ist es Ihnen absolut gelungen, ein königliches Frühstücksbüffet anzubieten.
Der sechste Tag - weitere 230 KM liegen vor uns
​Nach einer guten Nacht im geräumigen Zimmer und dem erwähnten Frühstücksbüffet sind wir bestens vorbereitet für die heutige Tagesetappe, die uns nach Finnland führen wird. Erst entlang der E 8, dann auf die E 10 Richtung Kiruna und in Överkalix rauf auf die Landstraße. Eine wellige Straße mahnt zu gemäßigter Geschwindigkeit, wodurch wir auch die Rentiere, die wir zweimal kurz hintereinander am Straßenrand sehen, frühzeitig wahrnehmen.
Der nächste Stopp heißt Kattilakoski, auch auf der schwedischen Seite, was so viel wie „Stromschnelle im Topf“ heißt. Ein schönes Fotomotiv, wenngleich der Grenzfluss Torneälven zu dieser Zeit wesentlich weniger Wasser führt als die Jahre zuvor.  Wenige Kilometer weiter ist der zweite Stopp angesagt. Wir sind am Polarkreis. Das ist natürlich ein Foto wert. Die großflächigen Informationstafeln erläutern mehrsprachig in einer Kurzfassung, was es mit dem Polarkreis auf sich hat und dass er stets am Wandern ist. Bleibt letztendlich die Frage offen, ist er jetzt hier, noch weiter südlich oder weiter vor uns im Norden? Wenn es Ihnen nicht auf einen Meter mehr oder weniger ankommt, dann belassen Sie es dabei: Hier! ist der Polarkreis. Nach einer kurzen Stärkung im Polarcircelhus nehmen wir die letzten Kilometer unter die Räder und verlassen die Straße nach Pajala kurz vor dem Grenzübergang nach Finnland. Pello heißt der Ort, den wir jetzt erreichen. Vielleicht sieben, acht Häuser auf der schwedischen Seite, umso „pulsierender“ auf der finnischen Seit. Mit einer guten Infrastruktur.
Kaum spürbar passieren wir die Grenze. Nur ein Schild mit der Europaflagge und darin die Worte „Suomi Finland“ zeigen uns, dass wir jetzt Schweden verlassen. Suomi kommt aus dem Samischen und steht übersetzt für Finnland. Das alte Nationalitätenkennzeichen von Finnland hieß  SF, für „Suomi Finland“. Wesentlich spürbarer ist etwas anderes, was nicht sofort bei der Passage auffällt. Die Finnen sind den Westeuropäern eine Stunde voraus. Hier gilt die osteuropäische Zeit.
Tagesziel ist die Valkea Arctic Lodge, sechs Kilometer von Pello entfernt. Der August gehört zu den ruhigen Zeiten in der Lodge. Wir wollten in erster Linie Marja und Antti-Pekka besuchen, denen die Lodge gehört und die wir seit Anfang des Jahrhunderts kennen. Die Lodge haben Sie 2015 erstellt, mit 15 Doppelhäusern aus finnischer Holzbohle. Alle Apartments haben einen Kaminofen und die Hälfte zudem noch eine Sauna. Umgeben von hohen Tannen liegen Sie an einer kurzen Sackgasse, fußläufig in kurzer Entfernung zum Servicegebäude mit Rezeption und Restaurant. Im Winter, der Hauptsaison, ist alles von herrlichem Weiß des Schnees umgeben. Durch die äußerst dünne Besiedlung der Umgebung ist die Chance, auch schwaches Nordlicht zu sehen recht groß. Und wenn schon kein Nordlicht, dann zumindest einen bespiellosen Sternenhimmel, inklusive einer sehr ausgeprägten Milchstraße.
Am siebten Tag - 180 KM südwärts ziehen wir
Heute Morgen starten wir bei trocknem Wetter und herrlichem Sonnenschein gen Süden. Um es vorweg zu nehmen, den Regen werden wir später noch intensiv spüren.
In Juoksenki, diesmal auf finnischer Seite, machen wir am Polarkreis, der ein paar Kilometer außerhalb Richtung Tornio liegt, halt. Für ein paar Selfies mit unserem Trike.
Bevor wir nach Haparanda, die Station für den heutigen Tag, fahren schauen wir uns noch das Snowcastle in Kemi an.
Der Motor verstummt, wir stehen vor dem Stadshotell Haparanda. Das Hotel, erbaut 1900, verfügt über eine bewegende Geschichte. Hier hat sich viel, sehr viel getan, seit wir das letzte Mal hier gewesen sind. Mit dem Hotel haben wir seit 2000 zusammengearbeitet, damals war Susanne Wahlin die Hotelchefin. Heute ist sie die Eigentümerin des Hotels, welches sie vor drei Jahren übernommen hat. Sie hat einiges in die Hand genommen, die dominierenden hellen Farben, meist in Rot Tönen, wurden durch elegantere dunkle Farben ersetzt, ebenso wurden die Einrichtungen in einem Teil der Zimmer komplett ausgetauscht. 22 wurden bis zum Sommer 2019 renoviert, die nächsten 16 stehen an und werden in ein paar Wochen in Angriff genommen. Der Frühstücksraum hat nicht nur die Farben, auch das Dekor gewechselt, das Mobiliar wurde teilweise ausgetauscht großzügiger gestaltet. Das kleine Restaurant Gulaschbaronen wurde dem Stil des frühen letzten Jahrhunderts  angepasst, mit Requisiten aus der Zeit, vom Koffer bis zum Telefon. Nur die Küche ist topmodern, geschmacklich auf dem absoluten Höhepunkt und kann sich durchaus mit den Köchen aus der Hauptstadt messen. Das, so müssen wir feststellen, ist seit dem ersten Tag des Kennenlernens über die vielen Jahre hinweg geblieben. Kreativ, mit regionalen Spezialitäten und Lebensmitteln aus der nahen Umgebung. Wenn Sie hier übernachten und die Küche probieren, werden Sie einen schönen Tag Ihres Urlaubs genießen.
Das Frühstück beeindruckt durch seine Vielfältigkeit und Frische.
Heute ist der achte Tag - 250 KM an der Küste entlang
​Bevor wir in das Clarion Skelleftea Stadshotel einchecken besuchen wir erst noch die „Ljusfabriken“.
Eine kleine Kerzenfabrik von Matthias Wikström, ein echter Familienbetrieb und ausschließlich auf Stearin Kerzen ausgelegt. Wir hatten bereits von einem Partner im Winter zuvor eine große Kerze geschenkt bekommen und waren angetan von dem tropffreien Brand, der bis auf die „Grundmauern“ ging. Matthias will gleich in sein Sommerhaus, es ist Flusskrebssaison in Schweden. Wieder ein Grund ausgelassene Fröhlichkeit mit Freunden und Familie über sich kommen zu lassen. Wir unterhalten uns noch ein wenig, auch über unser Treffen im zurückliegenden Januar zum Eishockeyspiel Skellefteå : Örebro. Matthias Wikström hat 13 Jahre im deutschen Profilager gespielt. Bevor wir uns verabschieden ordern wir noch ein paar Kerzen, die übe seinen Onlineshop auch nach Deutschland geschickt werden.
Das Skellefteå Stadshotel hat eine absolut zentrale Lage und mit einer großen Tiefgarage, insbesondere für Winterreisende gedacht, die zwischendurch das Auto einmal auftauen wollen. Die Zimmer sind zweckmäßig, sauber und mit sehr bequemen Betten versehen. Das Frühstück ist vielfältig und – wie auch bei den anderen Hotels – sind glutenfreie Lebensmittel ebenso vorhanden wie lactosefreie.
Der neunte Tag - Lappland pur auf 250 KM
​Von Skellefteå aus rollen wir westlich in schwachbesiedeltes Gebiet, passable Straßen und kleine Dörfer begleiten uns. In Lycksele tanzt der Elch, hier ist das Zentrum für die umliegenden Orte. Dort stoppen wir zu Mittag, unser Tagesziel heißt Åsele. Åsele – das ist Lappland in seiner Urform. Die Pickups erinnern mehr an das weite Kanada als an Lappland, doch es breitet sich ein Gefühl von Wildnis aus, von Ursprünglichkeit. Die Lust auf Abenteuer ist unser Begleiter am heutigen Abend. Übernachtet wird im Åsele Wärdshus, wo jetzt außerhalb der Saison die Ruhe eingekehrt ist. Das Hotel, schon etwas in die Jahre gekommen, bietet großzügige und saubere Zimmer in absoluter Ruhe. Das Frühstück ist vielfältig und lässt kaum Wünsche offen. Eine gute Adresse, wenn Sie auf eine Nacht in den Städten verzichten wollen, wenngleich preislich fast identisch. Zumindest am Wochenende.
Wir essen heute im Åselegrill, eine kleine Hamburgerbude am Ortsrand. Eine quirlige Betriebsamkeit ist gegenwärtig, denn der Betrieb wird um 1800h geschlossen. Somit werden die letzten Bestellungen schnell abgewickelt. Vieles geht außer Haus. Die Atmosphäre passt zum Ort, das Essen ist schmackhaft und die beiden Ladys, die den Åselegrill betrieben, sind bestens organisiert. Lukullische Highlights haben wir woanders erleben dürfen, hier ist es die Authentizität Lapplands, die uns den Aufenthalt in guter Erinnerung bewahren lässt. Schön, dass wir auch diese Seite unseres kleinen Urlaubsparadieses erleben können.
Schon der zehnte Tag? 222 KM bis zum Ziel
​Von Åsele aus weiter gen Westen und in Dorothea auf der E 45 südlich rollen. Das ist der Plan. So machen wir es auch und kommen nach ein paar Stunden wieder in Östersund an.
Wir übernachten wieder im Scandic Syd und gehen heute zum Abendessen in die Stadt. Das Restaurant Winston in Östersund gehört zu den wenigen Restaurants der Stadt, welches auch am Sonntagabend Essen anbietet. Immer öfter ist festzustellen, dass die Restaurants in den größeren Städten sonntags die Küche kalt lassen, was sicherlich auch auf die personellen Engpässe zurückzuführen ist. Das Winston Restaurant liegt im Zentrum der Stadt, von der Terrasse hat man einen schönen Blick auf die Fußgängerzone, die Gerichte waren gut abgeschmeckt, wenngleich nicht sehr kreativ angerichtet. Störend war, dass wir uns darum kümmern mussten, die Speisekarte zu bekommen, das Essen an der Theke zu bestellen, sofort zu bezahlen und die Getränke auf die Terrasse mitzunehmen. Einzig das Essen wurde serviert. Bei Preisen, die auch in einem „richtigen“ Restaurant zu bezahlen sind. Um den Ablauf nicht weiter zu stören, haben wir auf das Dessert verzichtet und es in einer Espressobar zu uns genommen.
So endet der letzte Tag unserer Rundreise durch Lappland, wenngleich wir auch vieles nicht gesehen haben. Das winterliche Lappland ist uns bestens vertraut, keine Region, die wir nicht bereist haben, und im Sommer werden wir noch in paarmal eine Reise dorthin unternehmen. Es gibt so wunderbare Ecken in diesem fast vergessenen Teil Skandinaviens. Die Menschen, im Sommer fröhlicher als im Winter, sind etwas wortkarg – so wie man es uns Norddeutschen nachsagt – aber gastfreundlich und offen. Hier hat der Tourismus noch eine geringere wirtschaftliche Bedeutung als in den Warmwasserzielen. Bespaßung ist ein Fremdwort und statt Eimer mit Strohhalm am Strand bleibt hier der Blick auf die immer wache Sonne, die auch den Schlaf rauben kann. Auf eine andere Art.    
​Zusatzinformationen
Sie können die Reise natürlich auch mit dem Auto oder Motorrad nachfahren. Wir haben keine Schotterstraßen unter die Räder genommen, was jedoch bei einer eigenen Planung sehr gut vorkommen kann, wenn man noch keine Lappland Erfahrung hat.
Das Tankstellennetz ist sehr gut ausgebaut, wobei ich Ihnen empfehle, beim halbvollen Tank nachzufüllen. An vielen Tankstellen können Sie nur noch mit Karte tanken. Hinsichtlich E-Mobilität sollten Sie vorher mit den Hotels abklären, ob eine Nachladung möglich ist. Fast alle Hotels haben einen Elektroanschluss für die winterlichen Motorwärmer. Dennoch, vorher besser abklären.

Über Fragen und Anregungen freue ich mich.
Burckhard Specht, Mai 2020